Zirkus: Ausblick 2021

20.2.2021. Täglich erreichen uns Fragen wie „wann gehts’s weiter“, „wann kann die Saison starten“. Subjektive Antwort: Im März 2022!

Alljährlich startet die Zirkussaison im März mit den ersten Gastspielen oder auch einem „Tag der offenen Tür“. Dies wird heuer coronabedingt so nicht stattfinden.

Wer die Aussagen unserer Politiker aufmerksam verfolgt, weiß schon heute, dass auch Ostern „ausfallen“ wird. Die Gastronomie, selbst im Außenbereich, soll beispielsweise nicht öffnen dürfen. Ein Trend zu einem weit restriktiveren Kurs als im Vorjahr ist jetzt schon erkennbar.

Für Zirkusse, Puppentheater, Schausteller und ähnliche Unternehmen wird dies in Summe ein weiteres Jahr Stillstand bedeuten. Ein Jahr ohne Einnahmen, fehlender staatlicher Unterstützung, ein Jahr der Entscheidungen über Sein oder Nichtsein.

Das in kürzester Zeit Impfmittel gegen Covid-19 entwickelt wurden, ist natürlich ein Segen – aber zu glauben, dass rasch durchgeimpft werden wird, ist ein Trugschluss. Bis Ende des Jahres wird es wohl dauern, da dürften auch die Weihnachtsplanungen bereits heute auf wackeligen Beinen stehen.

Weitsichtig wird wohl kaum ein Unternehmen planen. Erinnern wir uns zurück: Die verbotenen „Heizpilze“ waren plötzlich wieder hoffähig. Die Gastronomie wurde angefleht, sich welche anzuschaffen, sogar mit staatlicher Förderung, um das Herbstgeschäft mitnehmen zu können. Das Ende: Lockdown – und eine ungenutzte Heizpilz-Sammlung im Keller… Ersetzt wird der finanzielle Schaden natürlich nicht.

Oder die Hygienekonzepte, mit Desinfektionsspendern, die richtig ins Geld gingen. Dass Corona sich nicht über Kontaktinfektion (Schmierinfektion) überträgt, ist seit der Heinzberg-Studie bekannt und wurde vom RKI gleichlautend übernommen. Es wurde nur „vergessen“ zu kommunizieren. Leider findet sich immer wieder der ein oder andere Provinzpolitiker, der erzählt, Händewaschen schütze vor Corona. Wohl aber schützt das Händewaschen vor anderen Krankheiten, wie Masern oder Grippe – nehmen wir mal das Positive mit…

Laura im Kurzinterview:

ZV: Kein Zirkus im Jahr 2021?

Laura: Leider, bis auf eventuell einige Gastspiele kleinerer Zirkusse in den Sommermonaten. Allerdings ist festzustellen, dass viele Gemeinden sich heute schon sträuben, Flächen für Gastspiele zu vergeben.

ZV: Und Weihnachtszirkusse, das sollte doch möglich sein?

Laura: Die großen Produktionen müssen langfristig geplant werden. Planungssicherheit ist jedoch auch dieses Jahr nicht gegeben. Eine zu erwartende „Durchimpfung“ bis Ende des Jahres ist ja nicht gleichbedeutend mit „Das war’s, alles wie früher“. Auch wenn israelische Studien belegen, das Geimpfte das Virus nicht übertragen und die „Herdenimmunität“ realistisch ist, ich bleibe skeptisch. Ich drücke den Weihnachtszirkussen die Daumen, aber es wird eine enge Nummer.

ZV: Wie halten sich die Zirkusse über Wasser? Die haben ja ein Jahr Stillstand hinter sich.

Laura: Zirkusfamilien sind hochflexibel, sie schlagen sich durch – davor habe ich höchsten Respekt. Aber auch Spenden sind ein Fundament des Überlebens.
Die „Großen“ haben natürlich ein gewisses finanzielles Polster, aber auch das ist irgendwann aufgebraucht. So sehr es mich gefreut hat, dass diese im Sommer Alternativkonzepte angeboten haben, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurden, aber dass die geplanten Winterkonzepte aufgrund des erneuten Lockdowns, gegen die Wand gefahren wurden mussten, betrübt mich umso mehr.

ZV: Aber die staatlichen Hilfen kompensieren doch die finanziellen Einbußen der Zirkusse

Laura: Nein – mal abgesehen davon, dass hier vollmundig Hilfen verkündet werden und diese dann mit „Abschlägen“ ausbezahlt werden – Zirkus ist in Deutschland nicht als Kulturgut anerkannt, da ist Essig mit Hilfen. Kultur ist meist staatlich, Museen, Theater – Eigenhilfe sozusagen…

ZV: Einige Zirkusbetriebe haben doch ihre Winterkonzepte in Oster-Events umfunktioniert.

Laura: Wie im Beitrag erwähnt: Ostern wird, in Sachen Events, wohl ausfallen – sehr traurig. Es wäre eine Gelegenheit gewesen, zumindest ein wenig Einnahmen generieren zu können. Wie gesagt: Mit ein wenig Glück werden wir einige im Sommer ein paar, wenige Gastspiele erleben dürfen. Wie viele Zirkusse überhaupt überleben werden, das steht in den Sternen.

Wir können nur appellieren: Wenn sich ein Circus in Eurer Nähe befindet, spendet bitte. Jede noch so kleine Spende hilft. Es muss nicht immer Geld sein, die Circusse freuen sich auch über Heu oder Futter – einfach fragen. Sie kümmern sich aufopferungsvoll um ihre Tiere und warten ungeduldig darauf, Euch wieder unterhalten zu dürfen.

Werbung: